Fachwissen für digitale Entscheidungen
Welche Zielseite eignet sich für einen dynamischen QR-Code?
Kurzantwort
Der QR-Code ist der Einstieg, nicht die Zielseite
Bei einem dynamischen QR-Code bleibt die gedruckte Adresse stabil, während die dahinterliegende Zielseite geändert werden kann. Die Zielseite sollte deshalb nicht mit der Weiterleitungsadresse verwechselt werden. GS1 empfiehlt, einen Scan unmittelbar zu den erwarteten Informationen zu führen – nicht zunächst auf eine allgemeine Startseite, eine Suchmaske oder durch mehrere zusätzliche Klicks.
Fünf Kriterien für eine geeignete Seite
- Eindeutiger Zweck: Überschrift und erster sichtbarer Inhalt bestätigen sofort, dass der richtige Code gescannt wurde. Ein Code „Bedienungsanleitung“ führt zur passenden Anleitung; ein Code „Termin buchen“ direkt zum passenden Ablauf. Kampagnenversprechen auf dem Druck und tatsächlicher Seiteninhalt müssen übereinstimmen.
- Mobile und barrierearme Darstellung: WCAG 2.2 verlangt beim Erfolgskriterium 1.4.10 für vertikal scrollende Inhalte eine Darstellung bei 320 CSS-Pixeln Breite ohne horizontales Scrollen, soweit keine sachliche Ausnahme greift. Beim Erfolgskriterium 2.5.8 gilt für Zeigerziele grundsätzlich eine Mindestgröße von 24 × 24 CSS-Pixeln oder eine definierte Abstandsausnahme. Formulare benötigen verständliche Beschriftungen; wesentliche Informationen sollten als echter Text und nicht nur als Bild vorliegen.
- Stabile, sichere Auslieferung: Die Seite wird über HTTPS bereitgestellt und besitzt einen sinnvollen Fehlerzustand. Ist ein Dokument vorübergehend nicht verfügbar, sollte der Scan nicht in einer leeren Seite oder Endlosschleife enden.
- Kurzer Weg zum Inhalt: Eine Weiterleitung ist sinnvoll, weil das Ziel dann geändert werden kann, ohne den gedruckten Code zu ersetzen. Zusätzliche Weiterleitungsketten erhöhen jedoch die Zahl möglicher Fehlerstellen. Der komplette Weg vom QR-Code bis zum endgültigen Inhalt gehört deshalb in den Funktionstest.
- Kontrollierte Varianten: Sprache, Land oder Inhaltstyp können über einen Resolver ausgewählt werden. Der aktuelle GS1-Conformant Resolver Standard sieht genau 1 Standardlink je identifizierter Einheit vor; weitere Links können nach Typ, Sprache oder Kontext angeboten werden. Für normale Kamera-Scans muss dennoch immer ein eindeutiges Standardziel vorhanden sein.
Vor Veröffentlichung wird die Seite mit einem real gedruckten QR-Code, Mobilfunkverbindung, mehreren Bildschirmgrößen und aktivierten Bedienungshilfen geprüft. Analyse- oder Marketingdienste sind keine Voraussetzung für einen dynamischen QR-Code. Werden sie eingesetzt, müssen Datenschutz, Einwilligung und Aufbewahrung getrennt bewertet werden.
Beispiel aus der Praxis
Auf einer Maschine steht „Aktuelle Wartungsanleitung“. Der Scan öffnet über eine stabile Weiterleitungsadresse unmittelbar die Anleitung für genau dieses Modell. Die Seite funktioniert bei **320 CSS-Pixeln** Breite ohne horizontales Scrollen, bietet einen mindestens **24 × 24 CSS-Pixel** großen Download-Schalter und zeigt zusätzlich Modellnummer, Versionsdatum und eine Kontaktmöglichkeit bei einem Fehler.
Kernfakten
- Mobile Darstellung
- Reflow bei 320 CSS-Pixeln gemäß WCAG 2.2, Erfolgskriterium 1.4.10
- Bedienbare Ziele
- grundsätzlich mindestens 24 × 24 CSS-Pixel oder zulässige Abstandsausnahme
- Resolver-Standardziel
- genau 1 Default-Link je identifizierter Einheit
- Inhaltlicher Weg
- 1 direkter Einstieg statt Startseite mit erneuter Suche
Quellen
Alle externen Angaben nachvollziehbar belegt.-
01
Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.2 World Wide Web Consortium (W3C)
- 02
-
03
GS1-Conformant Resolver Standard 1.2.0 GS1 AISBL